Das zeigt die neue Marktstudie „Threads of the Future – How Automation and Digitalization Will Reinvent Textile Processing by 2035“, die der VDMA Fachverband Textile Care, Fabric and Leather Technologies (VDMA TFL) heute im Rahmen einer Pressekonferenz auf der Texprocess in Frankfurt am Main vorgestellt hat. „Die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit entscheidet sich nicht mehr auf Ebene einzelner Maschinen, sondern in integrierten, digital vernetzten Produktionssystemen“, betonte Elgar Straub, Geschäftsführer VDMA TFL.
Zentrale Handlungsfelder und der Wandel zum vernetzten Produktionssystem
Die von Gherzi im Auftrag des VDMA erstellte Studie identifiziert vier strategische Prioritäten für Maschinen- und Anlagenbauer in der Textilverarbeitung und verwandten Bereichen. Im Fokus steht die Stärkung technologischer Souveränität – europäische Anbieter müssen Schlüsseltechnologien, Schnittstellen und Datenstandards beherrschen, insbesondere bei Automatisierungsarchitekturen, Interoperabilität und Cybersecurity. Gleichzeitig wird Nachhaltigkeit zum Wettbewerbsfaktor: Regulatorische Anforderungen wie der Europäische Green Deal verschieben den Fokus von reiner Compliance hin zu messbarer Performance, etwa bei Energie-, Wasser- und Materialeffizienz. Zudem empfiehlt die Studie den Aufbau resilienter Produktionsnetzwerke: Eine umfassende Rückverlagerung vor allem der Bekleidungsindustrie nach Europa gilt als unwahrscheinlich, stattdessen entstehen regional differenzierte, stärker automatisierte Produktionscluster, vor allem in europäischen Nachbarregionen. Schließlich bleibt die intelligente Kombination von Mensch und Maschine zentral, da Vollautomatisierung in vielen Anwendungen technisch und wirtschaftlich begrenzt ist; Produktivitätsgewinne entstehen vor allem durch das Zusammenspiel von Fachkräften, KI und digitalen Assistenzsystemen. Ein zentrales Ergebnis der Studie: Maschinen entwickeln sich zunehmend vom isolierten Produkt zum Bestandteil vernetzter Produktionssysteme. Erfolgsentscheidend sind künftig digitale Plattformen und Industrie 4.0 -basierte Integration, neue service- und datenbasierte Geschäftsmodelle sowie Schlüsseltechnologien wie Robotik, KI-gestützte Qualitätskontrolle und ressourceneffiziente Prozesse. Unternehmen, die mechanische Kompetenz mit Software-, Daten- und Systemkompetenz verbinden, setzen künftig die Maßstäbe.
Politische Rahmenbedingungen als Standortfaktor
Neben technologischen Entwicklungspfaden beleuchtet die Studie auch industriepolitische Rahmenbedingungen. Wettbewerbsfähige Energiepreise, verlässliche Regulierung, Zugang zu Kapital sowie Qualifizierung von Fachkräften werden zunehmend zu entscheidenden Standortfaktoren für Investitionen in automatisierte und nachhaltige Textilverarbeitung.
Vorstellung der Studienergebnisse auf der Texprocess
Die zentralen Ergebnisse der Studie wurden auf einer Pressekonferenz im Rahmen der Texprocess 2026 vorgestellt. Anton Schumann (Gherzi) präsentierte die Analyse und ordnete die globalen Entwicklungen ein. Der VDMA TFL ergänzte dies durch aktuelle Marktdaten. Die Mitgliedsunternehmen ASSYST und Morgan Tecnica gaben praxisnahe Einblicke in konkrete technologische Lösungsansätze. Am Beispiel von ASSYST wurde deutlich, wie digitale Workflows, KI gestützte Anwendungen und vernetzte Prozessketten die Bekleidungsproduktion effizienter, flexibler und transparenter machen. Morgan Tecnica zeigte, wie der Übergang von prognosegetriebener Massenproduktion hin zu nachfrageorientierten, hochautomatisierten Produktionskonzepten neue Anforderungen an Geschwindigkeit, Flexibilität und Nachhaltigkeit in der Zuschnitttechnologie stellt.
Aktuelle Konjunkturdaten des VDMA TFL
Die aktuellen Konjunkturdaten des VDMA TFL unterstreichen dabei die angespannte, zugleich aber heterogene Marktlage: Im Zeitraum März 2025 bis Februar 2026 stieg der Auftragseingang im Bereich der Textile Care, Fabric and Leather Technologies preisbereinigt um 8,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während die Umsätze im gleichen Zeitraum preisbereinigt um 5,3 Prozent zurückgingen. Im Dreimonatsvergleich (Dezember 2025 bis Februar 2026) lagen die Auftragseingänge preisbereinigt um 6,5 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum, die Umsätze hingegen um 13 Prozent darüber.
VDMA Textile Care, Fabric and Leather Technologies ist ideeller Träger der Texprocess
Die Texprocess ist die führende internationale Fachmesse für die Verarbeitung von Textilien und flexiblen Materialien. Sie zeigt innovative Technologien, Lösungen und Services für Zuschnitt‑, Konfektions‑ und textile Fertigungsprozesse. Die Texprocess findet vom 21. bis 24. April 2026 parallel zur Techtextil in Frankfurt am Main statt.
Ein Foto von VDMA TFL Geschäftsführer Elgar Straub finden Sie hier.
Haben Sie noch Fragen? Elgar Straub, Geschäftsführer des VDMA Fachverbandes Textile Care, Fabric and Leather Technologies, Telefon +49 (0)89 278287 20, elgar.straub@vdma.org, beantwortet sie gerne.
Der VDMA vertritt 3500 deutsche und europäische Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus. Die Industrie steht für Innovation, Exportorientierung und Mittelstand. Die Unternehmen beschäftigen insgesamt rund 3 Millionen Menschen in der EU-27, davon mehr als 1,2 Millionen allein in Deutschland. Damit ist der Maschinen- und Anlagenbau unter den Investitionsgüterindustrien der größte Arbeitgeber, sowohl in der EU-27 als auch in Deutschland. Er steht in der Europäischen Union für ein Umsatzvolumen von geschätzt rund 900 Milliarden Euro. Rund 80 Prozent der in der EU verkauften Maschinen stammen aus einer Fertigungsstätte im Binnenmarkt.
Diese Presseinformation wurde uns von unserem Partner VDMA zur Verfügung gestellt.